Demokratielotsen zum Thema „Judentum und Antisemitismus in Deutschland“ zu Besuch im Religionsunterricht

Antisemitismus ist kein Problem der deutschen Vergangenheit, auch heute finden sich Ablehnung, Hetze und Hass wieder in der Mitte der Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, mit Schülerinnen und Schülern über diese Entwicklungen zu reden und sie in ihren Fragen und auch Sorgen ernst zu nehmen. Einen neuen Ansatz brachte dazu das Format "Mazel Tov", welches Anfang Mai zu Gast an der Sankt Lioba Schule war. Darin sprachen Dr. Necla Kelek und Sami Alkomi mit dem evangelischen und katholischen Religionskurs der 10c und 10d über das jüdische Leben und den Antisemitismus in Deutschland.

Die beiden Referenten hatten ursprünglich das Projekt „Die Demokratielotsen“ gegründet, um mit Flüchtlingen über die Themen Demokratie und Antisemitismus in den Austausch zu gehen. In Zusammenarbeit mit der Organisation Bürger Europas e. V. präsentieren sie nun das Projekt „Mazel Tov“, das auch durch den Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Herrn Dr. Felix Klein, gefördert und durch einen einleitenden Beitrag unterstützt wird. Die jüdische Perspektive wurde durch verschiedene eingespielte Videos vermittelt, in denen z. B. zwei Mitglieder des Dialogprojektes „Meet a Jew“ des Zentralrats der Juden und ein Mitglied des jüdischen Studierendenverbandes zu Wort kamen.

Das Besondere dieser Veranstaltung war der Aufbau als ein Dialog- und Quizformat, in dem Referenten und Zuhörer in einem ständigen Austausch standen. Die Grundlage boten kurze Quizfragen, in denen die Schülerinnen und Schüler per TED-Abstimmung ihr Wissen testen und dann mit den Referenten darüber sprechen konnten. Dabei konnten die Lioba-Schüler ihre Gäste an der einen oder anderen Stelle merklich beeindrucken. Die Schülerinnen und Schüler waren wiederum begeistert von den koscheren Süßigkeiten und kleinen Aufmerksamkeiten, die die beiden Demokratielotsen für sie mitgebracht hatten.

Auch wenn der Titel es vermuten lässt, ging es nicht nur um die Perspektive des Judentums, viel mehr wurden alle monotheistischen Religionen in den Blick genommen und ihre Gemeinsamkeiten, aber auch Probleme im Miteinander beleuchtet. So konnten Vorurteile und Verschwörungstheorien angesprochen und kritisch hinterfragt werden – soweit dies in einer 90-minütigen Veranstaltung möglich ist. Frau Dr. Kelek lobte in diesem Zusammenhang die offene Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer Geschichte, die aus Positivem wie Negativem lernen wollten. Eine Haltung, die auch die Schülerinnen und Schüler der Religionskurse von Herrn Böhm und Frau Willershäuser auf die Frage, warum man sich mehr als 80 Jahre nach der NS-Zeit noch mit dem Holocaust beschäftigen müsse, zeigten.

Schließlich wurde auch der aktuelle Nahost-Konflikt angesprochen, wobei die Referenten zunächst kurz erläuterten, wo der Ursprung dessen liegt, bevor sie den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeiten zur Diskussion boten.

Die Zehntklässler lobten die lockere Atmosphäre sowie den spielerischen Ansatz durch die interaktiven Elemente, womit es Dr. Kelek und Herr Alkomi gelang, in knapp 90 Minuten einen sehr umfangreichen Themenkomplex verständlich zu vermitteln. Noch in der großen Pause nutzten einige von ihnen die Möglichkeit, sich mit den Moderatoren der Veranstaltung über ihre Erfahrungen, z. B. einem Besuch im Konzentrationslager Bergen-Belsen, auszutauschen. Damit ist das gelungen, was Schulleiterin Astrid Finkeldey bei der Begrüßung der beiden Projektleiter als Hoffnung geäußert hatte, nämlich mit diesem außergewöhnlichen Konzept die Offenheit der Schülerinnen und Schüler der Sankt Lioba zu fördern, ihnen neue Denkanstöße zu bieten und sie auf diese Weise in ihrem Verständnis von Demokratie und friedlichem Miteinander zu fördern.

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